nz

Online zeitung

AOK macht Vertrag mit vorbestraftem Apotheker

Krebsmedikamente AOK macht Vertrag mit vorbestraftem Apotheker

Günter Z.

Günter Z. gehören die Elb-Apotheken.

Foto:

stern/schröm

Um die explodierenden Kosten bei Krebs-Medikamenten einzudämmen, hat die AOK Verträge mit ausgewählten Apotheken abgeschlossen. Nur dort können Hamburger AOK-Patienten jetzt  noch ihre Produkte beziehen. Dabei schloss die Krankenkasse ausgerechnet mit einem Apotheker einen Vertrag, der bereits vorbestraft ist. Die AOK selbst gehörte damals zu den Geschädigten! So berichtete Donnerstag das ARD Politikmagazin „Panorama“.

Die Elb-Apotheke an der Max-Brauer-Allee

Die Elb-Apotheke an der Max-Brauer-Allee.

Foto:

Sun

Per Rundschreiben hat die AOK die Onkologen in Hamburg-Nord und im Stadtteil Wandsbek aufgefordert, ab dem 1. August  Krebsmedikamente „ausschließlich“ bei der Apotheke von Günter Z. zu beziehen: „Wir versichern Ihnen“, heißt es in dem AOK-Schreiben, das dem ARD-Magazin „Panorama“ vorliegt, „dass wir die Eignung der Apotheke sorgfältig geprüft haben und Sie somit auch weiterhin eine verlässliche und qualitativ hochwertige Versorgung erhalten.“

Nach Recherchen von „Panorama“ ist Günter Z. vorbestraft. Das Amtsgericht Hamburg verurteilte den Apotheker im Januar 2013 wegen des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Im großen Stil hatte Günter Z. über einen Zwischenhändler Krebsmedikamente bezogen, die in Deutschland nicht zugelassen waren.

Mehr als ein Jahr lang kaufte Z. das in Ägypten hergestellte Präparat „Gemzar“. Er bekam es günstig, rechnete es teuer bei den Krankenkassen ab und ließ es nichtsahnenden Patienten verabreichen. Die AOK gehörte zu den Geschädigten. Nach langwierigen Verhandlungen zahlte der Apotheker 290.000 Euro, etwa die Hälfte ging an die AOK.

Bei der aktuellen Vergabe für Krebsmedikamente arbeitet die AOK trotzdem weiter mit Günter Z. „Wenn jemand verurteilt wurde, die Strafe erledigt ist und er weiter seine Zulassung als Apotheker hat, kann ich ja gar nicht sagen: Mit dem möchte ich nicht zusammenarbeiten“, sagt Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied AOK Rheinland/Hamburg. „Wir haben ein offizielles Ausschreibungsverfahren, was die Vergangenheit ausblendet.“

Auch aktuell laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaften in Lübeck und Hamburg gegen Günter Z. wegen neuer Vorwürfe. Es geht um Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz und Abrechnungsbetrug.

Advertisements

Author: Nilzeitung

Noch immer in aufbau Die Selbstzufriedenheit ist in Wahrheit das Höchste, was man erhoffen kann. !? Baruch de Spinoza (1632-1677)

Comments are closed.