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Bitte keine Schweinfleisch & warum

Stand: 30.08.2016 15:01 Uhr

Hepatitis E durch rohes Schweinefleisch

Neue Forschungsergebnisse verderben Liebhabern deftiger Kost einmal mehr den Appetit: Als eine der wichtigsten Ursachen für die Zunahme der Leberentzündung Hepatitis E in Deutschland wurden rohe oder nicht ausreichend erhitzte Schweinefleischprodukte entlarvt. Dass deren Verzehr gesundheitliche Gefahren birgt, ist schon lange bekannt, doch das Hepatitis-Risiko wurde bislang unterschätzt, auch weil eine solche Infektion bei Gesunden meist harmlos verläuft.

Ein Mitarbeiter eines Fleischerei-Fachgeschäfts portioniert frisches Thüringer Mett. © dpa-Bildfunk Fotograf: Hauke-Christian Dittrich

Hepatitis E durch rohes Schweinefleisch

Visite – 30.08.2016 20:15 Uhr Autor/in: Volker Ide

Teewurst oder Mett: Viele Menschen essen regelmäßig rohes Schweinefleisch. Doch Experten warnen, in diesen Lebensmitteln können krankmachende Hepatitis-E-Viren stecken.

Fälle von Hepatitis E in Deutschland stark gestiegen

Die Zahl der in Deutschland gemeldeten Hepatitis E-Fälle ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: 2013 waren es 458, 2014 schon 670 und im vergangenen Jahr mit 1.246 bereits fast doppelt so viele. Experten rechnen mit einer sehr hohen Dunkelziffer, da Hepatitis E oft ohne Symptome verläuft und viele Ärzte nicht auf diese Krankheit achten. Eine Studie zeigt, dass 17 Prozent der Deutschen bereits einmal infiziert waren und Antikörper gegen Hepatitis-E-Viren (HEV) im Blut haben. Wissenschaftler schätzen, dass sich pro Jahr 300.000 Menschen in Deutschland mit HEV infizieren, meist über Schweinefleischprodukte wie kurz gereifte Rohwürste.

Prof. Dr. Heiner Wedemeyer

Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind gefährdet

Gelangen HEV mit dem Schweinefleisch in den menschlichen Körper, wandern sie über den Magen in den Darm, dringen in die Blutbahn ein und landen schließlich in der Leber. Bei den meisten Gesunden werden die Viren von der körpereigenen Abwehr vernichtet. Bei immungeschwächten Menschen aber kann sich der Erreger vermehren und im Körper verteilen, in die Nieren und auch ins Gehirn gelangen. Bei einigen Menschen führt die HEV-Infektion deshalb auch zu neurologischen Störungen. HEV können auch eine akute Leberentzündung hervorrufen mit Fieber, Oberbauchschmerzen und Gelbsucht. Bei Schwangeren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann eine Hepatitis E sogar tödlich verlaufen.

Rohe Fleischprodukte stellen hohes Risiko dar

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Hepatitis-E-Bestandteile in mehr als 100 verschiedenen Wurstsorten nachgewiesen. Rohe Fleischprodukte und rohe Innereien, aber auch Rohwurstprodukte wie Tee- und Mettwurst sowie Schweinemett stellen ein besonders hohes Risiko dar. Das Problem ist die Herstellung: Die kurz gereiften Rohwürste werden durch Würzung, Salzen und Trocknung haltbar gemacht, aber nicht erhitzt. So können die Viren überleben. In einer großen Studie enthielt jede fünfte Wurstprobe Spuren des Virus. Viren können in die Wurst gelangen, weil Schweinefleisch vor der Verarbeitung nicht auf Hepatitis E getestet wird. Die dafür erforderliche Technik ist aufwendig und teuer. Wer auf Schweinefleisch nicht gleich ganz verzichten möchte, sollte nach den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung rohe Wurstprodukte vermeiden und das Fleisch immer über 70 Grad erhitzen.

Ein Blutröhrchen vor einem Formular mit der Aufschrift HEV © fotolia.com Fotograf:  jarun011

Auch Blutkonserven können belastet sein

Neben dem vermeidbaren Schweinefleisch bereitet den Ärzten ein weiterer Infektionsherd große Sorgen: Blut- und Plasmakonserven. Spenderblut wird in der Regel nicht auf HEV getestet und kann so frisch operierte Patienten gefährden. Besonders dramatisch ist das nach einer Organtransplantation, wenn das Immunsystem des Patienten künstlich ausgeschaltet wird, um eine Abstoßung des fremden Gewebes zu verhindern. Derzeit wird diskutiert, ob Blutkonserven zumindest für immungeschwächte Risikopatienten auf Hepatitis E getestet werden sollten.

 

quelle/ndr/visete

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Author: Nilzeitung

Noch immer in aufbau Die Selbstzufriedenheit ist in Wahrheit das Höchste, was man erhoffen kann. !? Baruch de Spinoza (1632-1677)

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