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NRW;Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ermitteln die Behörden gegen eine riesige Gruppe Verdächtiger.


“Wir wollen Täter und Unterstützer von Kindesmissbrauch aus der Anonymität des Internets herausziehen”, sagte das Ministerium.

Missbrauchsfall Münster

Diese Laube am Stadtrand ist einer der Tatorte des vermutlichen Haupttäters im Missbrauchsfall Münster.   Foto: Marcel Kusch/dpa

Deutschland untersucht 30.000 Verdächtige in einer pädophilen Untersuchung im westlichen Bergisch Gladbach.

NRW,-Deutschland untersucht rund 30.000 Verdächtige im Rahmen einer Ausweitung der Untersuchung eines pädophilen Netzwerks in der westlichen Region Bergisch Gladbach, teilten die Behörden am Montag mit.

Die Abteilung für Cyberkriminalität in Nordrhein-Westfalen “untersucht 30.000 unbekannte Verdächtige”, teilte das Justizministerium in Nordrhein-Westfalen in einem Tweet mit.

“Wir wollen Täter und Unterstützer von Kindesmissbrauch aus der Anonymität des Internets herausziehen”, sagte das Ministerium.

Die Ermittlungen betreffen die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie sowie andere Formen des Missbrauchs.

Laut dem Bericht des Spiegel plant das Ministerium für Nordrhein-Westfalen, ab dem 1. Juli eine Task Force einzurichten, um Pädophile im Internet sowie Cyberterroristen und Hacker strafrechtlich zu verfolgen.

“Ich habe nicht einmal im entferntesten mit dem Ausmaß des Kindesmissbrauchs im Internet gerechnet”, sagte der nordrhein-westfälische Justizminister Peter Beisenbach gegenüber Reportern.

Was das Untersuchungsteam aufgedeckt habe, sei “zutiefst beunruhigend”, sagte er.

“Wir müssen erkennen, dass Kindesmisshandlung im Internet weiter verbreitet ist als bisher angenommen.”

Im Herbst nahm die Polizei in Bergisch Gladbach einen 43-jährigen Mann wegen des Vorwurfs fest, seine Tochter als Baby missbraucht zu haben.

Beamte sagten, er habe Missbrauch gefilmt und die Videos über das Internet mit Menschen geteilt.

Bisher wurden in ganz Deutschland etwas mehr als 70 Verdächtige identifiziert.

Im Mai wurde der erste Täter, ein 27-jähriger Soldat, zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt und auf unbestimmte Zeit in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.

Deutschland war schockiert über die Entdeckung mehrerer schwerwiegender Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in den letzten 18 Monaten.

Anfang Juni wurden 11 Personen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Filmens ihrer Handlungen festgenommen, nachdem Videos und Fotos aus dem Keller eines 27-jährigen Mannes aus der westlichen Stadt Münster, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen, beschlagnahmt worden waren.

Die Ermittler sagten, sie hätten mindestens drei Opfer im Alter von fünf, zehn und zwölf Jahren identifiziert.

Beamte sagten damals, dass die Ermittlungskapazitäten in Bezug auf Kindesmissbrauch erhöht worden seien, was wahrscheinlich zur Entdeckung weiterer Fälle führen würde.

In einem früheren Skandal in Luegde, 125 Kilometer von Münster entfernt, missbrauchten mehrere Männer über einen Zeitraum von mehreren Jahren mehrere hundert Mal Kinder auf einem Campingplatz.

Vor fast zwei Wochen ergab eine beunruhigende Studie, dass Pflegekinder in Westberlin seit mehr als 30 Jahren in die Obhut von Pädophilen gebracht wurden. Der jüngste Fall wurde 2003 registriert.

Die Idee hinter einer solchen Paarung war, dass obdachlose Kinder von der Straße gehen und das auffällige Verhalten von Pädophilen überlegt werden würde – eine verdrehte Mentalität, die von Psychologieprofessor Helmut Kentler (1928-2008) zum Leben erweckt wurde. Die von der Universität Hildesheim durchgeführte Studie ergab, dass der Berliner Senat diese Praxis geduldet und unterstützt hatte und den Pflegevätern sogar eine Pflegebeihilfe gewährte.

Der renommierte Professor war der festen Überzeugung, dass “sexueller Kontakt zwischen Kindern und Erwachsenen nicht schädlich ist”. In späteren Jahren beschrieb er Pflegeväter, die Jungen aufnahmen, als einen Akt der “Verliebtheit”, gab jedoch seine Ansichten zu seinen “Experimenten” erst öffentlich bekannt, nachdem die Verjährungsfrist abgelaufen war.

In dem Bericht, den der Senat in Auftrag gegeben hat, sind die Fälle von zwei Fünfjährigen aufgeführt, die 1989 und 1991 Pflegevätern übergeben wurden und beide regelmäßigen Kontakt zu Kentler hatten.

“Es war ein Verbrechen unter staatlicher Verantwortung”, sagte Sandra Scheeres, Senatorin der Jugend, als der Bericht letztes Jahr erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

“Ich habe kein Interesse daran, etwas unter den Teppich zu kehren. Die Senatsverwaltung wird sich ihrer Verantwortung stellen”, sagte sie und entschuldigte sich bei den Opfern.

Zwei Männer, die im Alter von 6 Jahren in die Pflege von Fritz H. in Berlin kamen, beschreiben, wie sie belästigt, vernachlässigt und von der Welt isoliert wurden.

H. soll im Laufe der Jahre 10 Pflegekinder gehabt haben. Einer starb sogar in seiner Obhut, aber die Jugendhilfe ordnete keine Autopsie an. Kentler verteidigte damals seine Bekanntschaft und nannte seine Handlungen “zweifelsfrei”.

Es ist noch unklar, wie viele ähnliche Fälle im Laufe der Jahre aufgetreten sind. Scheeres erhob Strafanzeige gegen die Pflegeväter der bekannten Opfer, doch im Mai gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Verjährungsfrist abgelaufen sei. Die meisten Männer sind jetzt tot – genau wie Kentler.

Quelle//DS/dpa/Medienagenturen.